Vereinstreffen vom 12.10.2016-Bergmann-Klinikum Potsdam

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde unseres Vereines,
gab es in der Vergangenheit hier und da Kritik, dass jedes Treffen rund um unsere Krankheit „kränker“ macht, sich in den Jahren immer wiederholt, oder gar langweilt, weil:… das kenne ich doch alles schon!… so stand dieses Treffen unter einem ganz anderen Thema: Aufbau einer HNO-Klinik in Eritrea – zu dem uns Prof.Dr.Junghülsing einlud. Also nicht zu einem sonst so doch üblichen Thema. Ich kann, ja besser ich will es vorwegnehmen, Schade darum für Alle diejenigen, die es aus welchen Gründen auch immer nicht geschafft haben zu erscheinen. Ich war selten so fasziniert, wie bei diesem Thema. So begann mit 10 minütiger Wartezeit gegen 16.10 Uhr Herr Dr. Brook mit seinem Beitrag zu Medcare for People in Eritrea, nach dem unser 1.Vorsitzender Michael Ley alle Anwesenden auf das herzlichste willkommen hieß. Herr Dr.Books gehört mit zu den den Ärzten der „1 Stunde“ im Aufbau einer funktionierenden HNO Ambulanz in Eritrea, eben zusammen mit Herrn Prof.Dr.Junghülsing. Angefangen hat alles Mitte der 90- iger Jahre, bis unter Hilfe von Medcare for People 2008 der Aus- und Aufbau der HNO-Ambulanz, Form – und Gestalt bekam. Angestoßen wurde dieses durch den EM Prof.Dr. E.Stennert HNO-Klinikum Köln, der Chef von Prof.Dr.Junghülsing war. Er gewann nach und nach aus allen Fachebenen Ärzte oder auch anderes medizinisches Personal -nicht nur aus Deutschland-um eines der ärmsten Länder der Erde im Aufbau einer funktionierenden medizinischen Versorgung zu unterstützen und zur Seite zu stehen. So berichtete u.a. Dr.Brooks mit anzusehenden Stolz, dass sich jeder Einsatz lohnt. Sicher gibt es in diesem Land keine Demokratie, keine Wahlen, nur ein 1 Parteiensysthem, keine unabhängige Gerichtsbarkeit, keine freie Presse. Erstaunlich ist, dass 50 % Christen und 50 % Moseleme zusammen friedlich mit und nebeneinander leben, auskommen und respektieren, ohne staatliche Anordnung bzw. Einmischung. Der Parteivorsitzende und Präsident unterstützt weitesgehend jede Bemühung(en) von Medcare for People. Was versichert werden kann ist, dass es zu keiner Zeit zu irgendwelchen Diebstählen, Zerstörungen, Übergriffen oder Anderes gekommen ist. Jede Hilfslieferung fand ungeöffnet den Weg in die Ambulanz von Asmara, ob in Containern, Kartons oder Kisten – vom Absender über Speditionen, Schiffen, LKW u.a. Anderswo in Afrika ist das ganz anders. Die Dankbarkeit der Patientinen und Patienten, des Personals die allen EHRENAMTLICHEN vor Ort entgegengebracht wird, ist unbezahlbar. Appropo Bezahlung – ein Arzt in Oratta/Asmara erhält im Monat rd. 300,00 € HONORAR von VERDIENST oder GEHALT kann hier nun wirklich nicht gesprochen werden finde ich. Trotzdem sind alle mit Feuer und Ehrgeiz dabei. Im übrigen werden alle Ärzte mit Vornamen angesprochen. So heisst es Dr. Ansgar oder Dr. Markus und nicht Dr. Brooks oder Prof.Dr.Junghülsing. Auf Etikette wird weitesgehend verzichtet, auf Hygiene und Sauberkeit allen Orts aber auf gar keinen Fall, einfach nur bewundernswert. Im Anschluss daran war dann „Dr.Markus“ an der Reihe, der ebenfalls mit Hilfe einer PowerPoint Präsentation die medizinischen Anfänge zeigte und erklärte. So gelang es nach viel Fluchtation ausgebildeten Personals von 2008 – 2015 – just now 3 HNO-Fachärzte, 5 Assistenzärzte, 5 Pflegefachkräfte, 2 Audiologie – Assistenten fest einzustellen. Ferner hat man begonnen, eine zweite Ambulanz zu bauen. Alle Diagnosen werden ohne Bildgebung getroffen – also wie Ärzteschaft der 1 Stunden nur mit Tastsinn- in Augenscheinnahme und Erfahrung. Pathalogie wird mit eigenen Sateliten per Fern-Videodiagnose erledigt bzw. bewertet. Die Versorgung der Patientinnen und Patienten ist kostenlos. So wird Tag für Tag entschieden, wer der nächste von den vielen der Wartenden ist, dessen medizinisches Problem beguckt um dann entsprechend behandelt zu werden. Dafür haben die Beschäftigten und ehrenamtlichen Ärzte mittlerweile entsprechende Routine bzw. ein geschultes Auge, was warten kann oder eben akut behandelt werden muß. Das Projekt hat sich soweit gut entwickelt und stabilisiert, dass es mittelfristig selbständig und ohne „organisierte Fremdhilfe“ auskommen wird. Insoweit werden schon weitere, ähnliche Projekte andern Orts in Eritrea ausgeguckt. Zunächst jedoch werden sowohl Dr.Ansgar als auch Dr.Markus im März 2017 wieder Vorort sein. Beiden war und ist die Freude darüber klar und deutlich in Ihren funkelnden Augen anzusehen gewesen. Dieses neben Ihren ärztlichen Verpflichtungen in Potsdam und Berlin zu leisten ist mehr als nur zu bewundern, es ist geradezu als wundervoll und beispielhaft ohne Pause zu beklatschen, was auch am Ende beider Beiträge so erfolgt ist. Im Anschluß wurde auf viele Fragen offen und ehrlich geantwortet. Ein Faszit hat sich für mich daraus ergeben – ein Glück das ich/wir in einem Land wie Deutschland lebe(n)! Über Hilsmittelversorgung kann und wird in Eritrea erst gar nicht gesprochen, wegen Unfinanzierbarkeit erst gar nicht in Erwägung gezogen. Nach gut zwei Stunden war das Treffen dann zu Ende. Michael Ley verwies dann alle Anwesenden auf den 05.Dezember 2016, um sich dann wieder zu unser traditionellen Weihnachtsfeier in den Zillestuben im Nikolaiviertel zu treffen. Einladungen werden rechtzeitig auch an alle die jenigen auf dem Postweg versendet werden, denen es vergönnt war bei diesem thematisch außerordentlichen interessanten Treffen dabei gewesen zu sein.
In diesem Sinn, schön gesund bleiben
Ihr/Euer Manfred Götze

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